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136/10 Elefant verletzt 2 Gäste

Von Thomas Waetke 22. September 2010

Bei einer Betriebsfeier am vergangenen Wochenende in Leutkirch (Baden-Württemberg) hatte das Unternehmen bei einem in der Nähe gastierenden Zirkus einen Elefanten ausgeliehen. Bei einem Foto, bei dem alle Mitarbeiter zusammen mit dem Elefanten aufgenommen werden sollten, passierte es:

Der Elefant hob plötzlich seinen Kopf und schleuderte mit seinen Stoßzähnen einen Mann und dessen Kind aus vier Meter Höhe herab. Der Mann wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht und musste vorübergehend in ein künstliches Koma versetzt werden; der kritische Zustand ist wohl vorüber. Das Kind zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu.

Nach Angaben des Zirkus handele es sich bei dem ausgeliehenen Tier um ein braves Tier, das an fremdes Publikum gewöhnt sei; offenbar habe sich das Tier vor irgendetwas erschreckt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Zunächst stellt sich die Frage, wer für den Unfall verantwortlich. Tiere können sich erschrecken und reagieren nicht immer so, wie mensch es erwartet. Es könnte also durchaus möglich sein, dass – wenn die erforderlichen und zumutbaren Sicherheits- maßnahmen getroffen wurden – keiner für den Unfall zur Verantwortung gezogen werden kann.

Bei Betriebsfesten stellt sich immer gleich die wichtige Frage nach der gesetzlichen Unfallversicherung. In diesem Fall nämlich werden nicht nur die Krankenhauskosten bezahlt, sondern auch bspw. monatliche Renten bei Invalidität; die Kranken- versicherung würde nur die Behandlungskosten übernehmen. Daher ist es für den Verletzten wichtig zu wissen, ob es sich bei dem Unfall um einen Arbeitsunfall handelt oder nicht. Auch Verletzungen auf Betriebsfeiern können als Arbeitsunfall gelten; dann muss die Betriebsfeier auch eine echte Betriebsfeier gewesen sein:

Betriebsfeiern sind dann Betriebsfeiern, wenn…

  • die Unternehmensleitung die Feier ausrichtet,
  • alle Mitarbeiter teilnehmen dürfen,
  • ein wesentlicher Teil der Belegschaft tatsächlich teilnimmt, und
  • sie dem Zweck dient, den Zusammenhalt zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten zu fördern.

Dann übrigens ist auch der Weg zur Feier und von der Feier nach Hause unfall- versichert (wie beim normalen Arbeitsweg auch).

Tipp von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Je mehr Ihre geplante Betriebsfeier oder Bestandteile hiervon aus dem “üblichen” Rahmen fallen (auf Bierbank sitzen und Bier trinken), desto eher sollten Sie vorher bei der Berufsgenossenschaft nachfragen, ob die geplanten Aktivitäten unfallversichert sind, und ggf. eine eigene Unfallversicherung abschließen. So teuer sind die nicht, und der Ärger hinterher ist unnötig und unschön, gerade weil die gesetzliche Krankenversicherung deutlich weniger Leistungen inne hat als die Unfallversicherung.