Aktuelles

126/16 Firmenlauf kann gesetzlich unfallversichert sein

126/16 Firmenlauf kann gesetzlich unfallversichert sein

Von Thomas Waetke 4. April 2016

Firmenveranstaltungen geben immer mal wieder Anlass zum Streit, insbesondere dann, wenn sich ein Mitarbeiter verletzt. Dann nämlich stellt sich die Frage, ob der Unfall unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fällt, also ein Arbeitsunfall ist.

Gegenstand eines Gerichtsverfahrens war ein Firmenlauf. Auf diesem verletzte sich ein Mitarbeiter, der Unfallversicherungsträger lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfall ab: Aufgrund der notwendigen konditionellen Fähigkeiten konnte nicht jeder Beschäftigte teilnehmen, und tatsächlich hätten weniger als 20% der Beschäftigten teilgenommen. Außerdem sei der Wettbewerb als rein sportliche Veranstaltung nicht geeignet, den Gemeinschaftsgedanken des Unternehmens zu fördern.

Das Sozialgericht Detmold entschied nun zu Gunsten des verletzten Arbeitnehmers:

Zum Zeitpunkt der Anmeldung wisse der Beschäftigte typischerweise nicht, wie viele Mitarbeiter teilnehmen würden. Es müsse zu Gunsten der Beschäftigten eine Art Vertrauensschutz geben, daher sei eine geringe tatsächliche Teilnehmerzahl nicht automatisch ein Ausschlussgrund als Arbeitsunfall. Außerdem habe sich das Programm nach Auffassung des Gerichts an die gesamte Belegschaft gerichtet.

Außerdem habe der Arbeitgeber darauf aufmerksam gemacht, dass die Laufstrecke aufgrund Länge und Beschaffenheit auch für ungeübte Läufer zu schaffen sei; Beschäftigte, die nicht mitlaufen wollten, konnten ein Fan-Ticket bekommen, um zuzuschauen und anzufeuern.

Vor einiger Zeit hatte ich über eine Entscheidung des Landessozialgerichts Baden-Württemberg berichtet. Dort ging es um ein Fußballturnier, zu dem der Arbeitgeber eingeladen hatte. Die Einladung wurde „an die fußballbegeisterten Mitarbeiter“ gerichtet; dadurch waren nach Ansicht des Gerichts aber die nicht fußballbegeisterten Mitarbeiter und alle Mitarbeiterinnen ausgegrenzt; das Programm des Turniers richtete sich auch schwerpunktmäßig auf die fußballspielenden Mitarbeiter aus.

Wie man wieder einmal sieht: Oft kommt es auf die Details an; und oft genug kann man die notwendigen Details mit dem entsprechenden Wissen auch vorher im Konzept berücksichtigen. Daher ist es wichtig, sich schon bei der Konzeptionierung von Veranstaltungen Gedanken darüber zu machen, was passieren und welche Auswirkungen dies haben könnte.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Marathonläufer: © Iuliia Sokolovska - Fotolia.com