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122/10 Manko-Haftung des Arbeitnehmers

by 16. September 2010

Aktuell hat das Landesarbeitsgericht (kurz: LAG) Berlin-Brandenburg eine Kündigung für unwirksam erklärt, die der Arbeitgeber wegen eines vermeintlichen Abrechnungsbetruges über 160 Euro ausgesprochen hatte: Die Mitarbeiterin war seit 40 Jahren beanstandungsfrei beschäftigt und hatte Bewirtungskosten für ihr 40-jähriges Dienstjubiläum falsch abgerechnet.

Wie sieht es eigentlich generell mit der Haftung des Arbeitnehmers aus?

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Ich möchte das Thema aufgreifen, um die Haftung des Arbeitnehmers darzustellen: Wann haftet ein Arbeitnehmer gegenüber seinem Arbeitgeber, wenn er einen Fehler macht? Solche Fragen tauchen nicht nur auf, wenn ein Mitarbeiter eine teure Vase umwirft, sondern wenn er an der Abendkasse eingesetzt wird und später im Kassenbestand 100 Euro fehlen.

Im Arbeitsrecht gibt es ein 3-Stufen-Modell:

  1. Der Arbeitnehmer haftet nicht (für die Vase oder für die fehlenden 100 Euro), wenn er nur leicht fahrlässig gehandelt hat. Dann muss der Arbeitgeber diesen Schaden alleine tragen. Dann wäre auch keine Kündigung möglich.
  2. Der Arbeitnehmer haftet voll, wenn er vorsätzlich gehandelt hat; dann kann der Arbeitgeber die Vase bzw. die 100 Euro ersetzt verlangen.
  3. Zwischen dem Vorsatz und der leichten Fahrlässigkeit wird der Schaden quotal verteilt – je eher das Verschulden in Richtung Vorsatz tendiert, desto mehr muss der Arbeitnehmer zahlen.

Fehlen im Kassenbestand 100 Euro und soll der Arbeitnehmer dafür haften, spricht man von der so genannten Mankohaftung. Für diese gilt das eben dargestellte 3-Stufen-Modell. Im Arbeitsvertrag kann eine Mankohaftung ausdrücklich vereinbart werden – dies ist aber im Regelfall nur wirksam, wenn der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein so genanntes Mankogeld zahlt: Der Arbeitnehmer bekommt also monatlich zu seinem Lohn noch bspw. 50 Euro; wenn er dann irgendwann einmal 100 Euro verbummelt, kann er diese aus seinem angesparten Mankogeld „finanzieren“. Ansonsten darf er das Mankogeld behalten, da er dann belohnt werden soll, wenn er sich nicht verzählt.